Gestatten, mein Name ist Molli...
...ich bin die alte Dame, die täglich auf schmaler Spur mit Dampf und Gebimmel zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan hin und her zuckelt, entlang einer der schönsten Lindenalleen Deutschlands, vorbei an der ältesten Galopprennbahn des europäischen Kontinents, manchmal mit Blick auf die Ostsee, und dann mitten durch die engen Straßen der Städte....
Waltraud Raubold aus Auerswalde erlebte die Dampfeisenbahn das erste Mal zum 100. Geburtstag im Jahre 1986 und besucht seit dieser Zeit ihre in Kühlungsborn lebende Tochter Katrin mit Enkeling Celine. Nachdem schon ihr Heimatortschild im Fernwehpark und auch das von Kühlungsborn die Besucher an einem eigenen Fernwehpfahl grüßt, kam Waltraud auf die Idee, die lebensfreudige alte Dame "Molli" mit zu präsentieren. Denn als Attraktion von Kühlungsborn mußte ein "Star-Schild" der attraktiven, qualmenden Schönheit unbedingt ins Rampenlicht der Stars und Besucher aus aller Welt.
Standesgemäß wie es sich gehört, fand die Übergabe an Fernwehpark Initiator Klaus Beer mit Fähnchen und einem Schirm statt, den kein Geringerer als der Inhaber und Fahrer einer großen Stretch-Limousine über Waltraud und "Molli" hielt. Waltraud hatte sich zu diesem Event besonders toll in Schale geworfen und glänzte in den Farben des Schildes mit "Molli" um die Wette.
Anwesend war auch der bekannte Chemnitzer Bergsteiger Jörg Stingl, der ebenfalls durch den Einfallsreichtum von Waltraud in einer Stretch-Limousine a`la Hollywood chauffiert wurde. Und wie es der Manier der alten Schule geziemt, hielt der Fahrer der Stretchlimo auch Waltraud und "Molli" den Schirm.
Warum der Molli Molli heißt
Doch wie kam "Molli" eigentlich zu ihrem Namen? Dieser ist nicht frei erfunden, sondern beinhaltet eine ganz besondere Geschichte:
Vor mehr als hundert Jahren reiste eine alte vornehme Dame mit ihrem kleinen dicken Mops nach Bad Doberan. Gerne wollte die Dame auch mit der neuen Eisenbahn fahren, doch ihr kleiner Hund war nicht dazu zu bewegen, in den Zug einzusteigen. Plötzlich riss sich der Mops los, die alte Dame rief erschrocken hinterher: "Molli, bliev stan!". Natürlich hörte der Hund nicht, stattdessen blieb der gerade angefahrene Zug stehen, denn der Lokführer dachte, er und seine Bahn wären gemeint. Er zog die Notbremse, der Zug hielt und "der Molli" hatte seinen Namen.
Und was erzählt die Geschichte? Im Jahre 1886 regten die damaligen Stadtoberen Doberans den Bau einer Eisenbahnstrecke zum benachbarten Heiligendamm an. Während in Doberan logiert wurde, fuhr das vergnügungssüchtige Volk zum Baden in das sechs Kilometer entfernte Heiligendamm.
Großherzog Friedrich Franz III. erteilte noch im selben Jahr die Konzession zum Bau und Betrieb der Schmalspurbahn, nicht ohne Hintergedanken, denn er genoß selbst mit seinem Gefolge jedes Jahr die Vorzüge des Lebens in Heiligen Damm.
Am 9. Juli des Jahres, nur sechs Wochen nach Baubeginn, wurde die 6,61 Kilometer lange Bahnstrecke unter dem Namen "Doberan-Heiligendammer Eisenbahn" in Betrieb genommen. Die Besonderheit: Die Spurweite betrug nur 900 Millimeter.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, mit dem Aufschwung des Ortes am Heiligen Damm, begannen die Überlegungen, die Strecke weite zu führen. Die Orte Arendsee und Brunshaupten, heute bekannt als das Ostseebad Kühlungsborn, wollten ebenfalls an dem florierenden Badevergnügen teilhaben und strebten eine Anbindung an die Bahn an.
Nach über 100 Jahren begeistert nun "Molli" die Fahrgäste immer noch und immer wieder aufs neue - und läßt das Herz eines jeden Eisenbahn-Freundes höher schlagen. Es gibt keinen, der der Verzückung und dem Charme dieser traditionsreichen Bahn nicht erliegt, die man verspüren kann auf der Fahrt vom Hauptbahnhof Bad Doberans durch die Münsterstadt, entlang der herrlichen Allee über Heiligendamm bis nach Kühlungsborn. Wie heißt es doch so schön: "Nehmen Sie sich die Zeit, lassen Sie die Seele baumeln."
Der Molli wünscht eine Gute Fahrt!